Was hat dich daran gereizt, die Rolle der Programmdirektorin bei Leadership Brandenburg zu übernehmen? 

Ich liebe es, Menschen in Lernprozessen zu egleiten undRäume der Begegnung und des Erfahrungslernens zu gestalten. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spaltung zunimmt und viele Debatten immer unversöhnlicher geführt werden, wird die Fähigkeit zur Zusammenarbeit über Unterschiede hinweg wichtiger denn je. Mich reizt genau diese Spannung zwischen Konflikt und Kooperation: Wie können Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Interessen miteinander in Beziehung kommen und gemeinsam neue Wege entwickeln? 

Leadership Brandenburg hat mich deshalb sofort überzeugt. Der Ansatz, Führungskräfte aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen in einem Programm, welches die unmittelbare Erfahrung und das Kennenlernen unterschiedlicher gesellschaftlicher Perspektiven in den Mittelpunkt stellt, zusammenzubringen gefällt mir sehr gut und ist meiner Ansicht nach in aktuellen Zeiten wichtiger denn je. 

Die Rolle der Programmdirektorin verbindet vieles, was meine Arbeit ausmacht: Prozesse gestalten, Menschen in Lern- und Entwicklungsräumen begleiten und gleichzeitig Organisationen strategisch mitentwickeln. Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, Leadership Brandenburg gemeinsam weiterzuentwickeln und neue Impulse für eine zukunftsfähige Führungskultur zu setzen. 

Welche Erfahrungen aus deinem bisherigen beruflichen Weg bringst du in die Arbeit mit unserem Jahresprogramm ein? 

Ich bringe langjährige Erfahrung in der Begleitung von Einzelpersonen, Teams und Gruppenprozessen mit – insbesondere an den Schnittstellen von Führung, Diversität, Konfliktbearbeitung und gesellschaftlicher Transformation. Dabei habe ich mit sehr unterschiedlichen Organisationen, Kontexten und Menschen gearbeitet und gelernt, auch in komplexen oder spannungsvollen Situationen tragfähige Räume für Austausch und Zusammenarbeit zu gestalten. 

Geprägt hat mich besonders meine Arbeit und Ausbildung im Bereich der internationalen Friedens- und Konfliktarbeit. In meinen 20ern habe ich mehrere Jahre in Lateinamerika verbracht und in Kontexten der Friedens- und Menschenrechtsarbeit gearbeitet. Die zentrale Frage dahinter begleitet mich bis heute: Wie kann gemeinsames Handeln gelingen – auch unter unterschiedlichen Voraussetzungen, Perspektiven und Interessen? 

Mein Studium der Friedens- und Konfliktforschung hatte dabei von Anfang an einen starken Praxisbezug. Neben theoretischen Perspektiven standen Selbsterfahrung, Prozessbegleitung und das Arbeiten mit Gruppen im Mittelpunkt. Diese Verbindung aus gesellschaftspolitischem Blick, praktischer Facilitation und organisationaler Entwicklungsarbeit prägt meine Arbeit bis heute. 

Hinzu kommt eine Biografie, die schon früh durch Reisen und Begegnungen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten geprägt war. Dadurch bringe ich eine hohe Offenheit für verschiedene Perspektiven und Kontexte mit – und die Fähigkeit, Menschen sowohl in ihrer professionellen Rolle als auch auf menschlicher Ebene zu begegnen. 

All diese Erfahrungen fließen heute in meine Arbeit bei Leadership Brandenburg ein. 

Was zeichnet aus deiner Sicht gutes Leadership heute aus? 

Gutes Leadership beginnt für mich mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion. Hier geht es um Fragen wie „Wer bin ich in meiner Rolle? Was treibt mich an? Wie möchte ich Menschen begegnen und Verantwortung gestalten?“ 

Wer sich selbst gut kennt, kann klarer, authentischer und bewusster führen. Dazu gehört auch, die eigenen Unsicherheiten, Prägungen und Grenzen zu kennen – und berührbar zu bleiben. 

Ebenso wichtig ist für mich die Fähigkeit, mit Widersprüchen und Komplexität umzugehen. Führung bedeutet heute oft, unterschiedliche Perspektiven, Bedürfnisse und Realitäten gleichzeitig im Blick zu behalten, ohne vorschnell einfache Antworten zu suchen. Dafür braucht es Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, Spannungen auszuhalten und handlungsfähig zu bleiben. 

Und schließlich hat Leadership für mich immer auch eine gesellschaftliche Dimension. Führung findet nicht losgelöst statt, sondern in einem größeren sozialen Kontext. Deshalb ist die Frage zentral: Welche Kultur leben wir in unseren Organisationen – und welchen Beitrag leisten wir damit für das gesellschaftliche Miteinander? 

Welche Impulse möchtest du den Teilnehmenden im kommenden Jahresprogramm besonders mitgeben? 

Ich glaube, dass echte Begegnung Veränderung ermöglichen kann. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen aufeinandertreffen und bereit sind, voneinander zu lernen, entstehen oft neue Sichtweisen auf Führung, Zusammenarbeit und gesellschaftliche Verantwortung. 

Mich interessiert dabei besonders der Moment der produktiven Irritation – also dort, wo Gewissheiten ins Wanken geraten und somit echte Entwicklung möglich wird. Genau dafür möchte ich im Jahresprogramm Räume schaffen & begleiten: für Begegnung auf Augenhöhe, Perspektivwechsel und ein erweitertes Verständnis davon, was Führung heute bedeuten kann. 

Worauf freust du dich persönlich in deiner neuen Rolle am meisten? 

Ich freue mich besonders darauf, das Jahresprogramm gemeinsam mit den Teilnehmenden mit Leben zu füllen und zu erleben, welche Dynamiken, Gespräche und Impulse daraus entstehen. Gerade wenn Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen, entstehen oft unerwartete Perspektiven und neue Ideen. 

Und ich freue mich darauf, Brandenburg dabei noch einmal neu kennenzulernen – durch die Menschen, Orte und Geschichten, die dem Programm begegnen werden. 

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